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Archive for Februar 2012

Wie lange noch?

Foto: Luis Felipe Rojas

Die Mutter wartet in der Lobby des Krankenhauses. Draußen ist es sehr kalt, ziemlich ungewöhnlich für die hohen Temperaturen, die sonst im kubanischen Osten herrschen. Der Junge ist grade zweiundzwanzig Jahre alt, er hatte versucht, seine Freunde bei einer Straßenprügelei zu trennen, als die Polizei kam und Schläge und Tritte in alle Richtungen verteilte. Er erhielt den schlimmsten Anteil. Einer seiner Freunde hatte mich geholt, weil sie ihn überzeugen konnten, mir alle Einzelheiten zu erzählen.

Die Mutter verschloss sich jeglichem Dialog, um ihn zu schützen. Es half nichts, dass ich ihr etwas von ihren Rechten erzählte. Meine Argumente, dass sie doch wenigstens bei irgendeiner Instanz Anzeige erstatten solle, bewirkten auch nichts. Sie würde jetzt nach Hause gehen, „in diesem Land funktioniert sowieso nichts, und du verschwinde von hier, belästige mich nicht noch einmal“, sagte sie.

Vor nicht einmal drei Tagen wurde ich auf öffentlicher Straße von einem Beamten des staatlichen Sicherheitsdienstes angesprochen. Er wollte, dass ich zu Hause bleibe, damit er nicht stundenlang hinter mir hergehen müsse. Als ich ihm mit meinen Bürgerrechten antwortete, zückte er seinen Ausweis mit den drei blauen Buchstaben (DSE – Departamento de la Seguridad del Estado), und es war klar, dasss er damit nicht mir, sondern den Passanten drohen wollte. Trotz unserer hitzigen Diskussion und seiner Prahlerei, er würde eine Polizeistreife rufen, antwortete uns niemand, kein Mensch zeigte sich beunruhigt. Als ich sehr laut sagte, dass die Straßen dem Volk gehören und nicht den Revolutionären, blieb es einsam um uns herum. Es stimmt, dass dies kein „acto de repudio“, eine Einschüchterungsaktion, war, aber die Menschen sind so in sich und ihre Einkäufe vertieft und haben wohl keine Zeit für solche Keinigkeiten, oder?

Institutionen wie die Militär-Statsanwaltschaft, die Gerichte in den drei Instanzen (Gemeinde, Provinz und auf nationaler Ebene) und die Bürger-Behörden weichen ein ums andere Mal den Beschwerden über die Beamten aus und nur in einzelnen Fällen – nach sehr offenkundigen Rechtsverletzungen – wird der Sicherheitsdienst aktiv. Diese veralteten Behörden haben ihren Teil dazu beigetragen, dass die gewöhnlichen Menschen sich selbst zensieren. Weil niemand über ihre Rechte wacht, weil sie allem misstrauen, verfallen sie in eine allgemeine Apathie und begeben sich so direkt in die Hände ihrer Henker. Nur wenn sie das düstere Gesicht des Nachrichtensprechers im Fernsehen sehen, der als weitere Gaunerei von der einen oder anderen Amtsenthebung berichtet, beginnen die Leute zu sehen, dass die kubanischen Institutionen auch dazu da sind, über einige Dinge zu wachen, für die Interessen einiger Bürger zu sorgen und dafür, dass ein paar Rechte respektiert werden.

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